Chronik der Bankenkriminalität

Diese Chronik kann bis in die Anfänge des modernen Bankenwesen zurück und auch nach vorn ergänzt warden: Ich bitte um möglichst kurze Beiträge. Die das Jahr und die Bank nennen sowie den Fall (Verletzung welcher Gesetze) beschreiben (wenn möglich mit Gerichtsurteil und Strafmaß bzw. Deal) Es sollten alle Banken berücksichtigt werden, unabhängig von Hauptsitz und sonstigen Standortstaaten. Infos an
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Der SPIEGEL (36/1984)

1947: In diesem Jahr wurde der Omgus-Report (einer Untersuchungskommission des US-Militärregierung) über die Deutsche Bank im Dritten Reich vorgelegt. Der Spielgel berichtet: „Die Sprache ist trocken, der Inhalt beinhart. ‚Es wird empfohlen’, so schrieben die Amerikaner gleich in Kapitel eins, ‚daß die Deutsche Bank liquidiert wird.’ Die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank sollten ‚angeklagt und als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden, die leitenden Mitarbeiter der Deutschen Bank von der Übernahme wichtiger oder verantwortlicher Positionen im wirtschaftlichen und politischen Leben Deutschlands ausgeschlossen werden’".

1972: Bank of Credit and (Criminal) Commerce International: Die „Bank of Credit and Commerce International“ war eine 1972 in Pakistan gegründete, internationale Großbank. Im Jahr 1991 geriet die BCCI in den Mittelpunkt eines internationalen Finanzskandals, der als „größter Betrug in der Geschichte der Menschheit“ und „Über-20-Milliarden-Raub“ bezeichnet wurde. US-Amerikanische und britische Ermittlungsbehörden stellten im Verlauf des Skandals fest, dass das Geldinstitut im großen Stil in kriminelle Geschäfte (Geldwäsche, Bestechung, Waffenhandel und den Verkauf von Nukleartechnologie) verwickelt war. Im Laufe der weiteren Ermittlungen kam heraus, dass die BCCI einzig zur Verschleierung und Monetisierung dieser kriminellen Aktivitäten gegründet worden war.

1974: Herstattpleite: Deutschlands Fußballnationalelf bestritt Ende Juni 1974 gerade ihr WM-Spiel gegen Jugoslawien, als Iwan Herstatt erfuhr, dass es für seine Bank keine Rettung mehr geben würde. Nur zwei Jahrzehnte hatte der Spross einer Bankiersfamilie gebraucht, um aus einer kleinen Kölner Privatbank einen Riesen zu formen: Aus fünf Millionen D-Mark Bilanzsumme 1955 machte Herstatt bis 1973 zwei Milliarden. Sein Institut war eines der ersten, das die Chancen im globalen Devisenhandel erkannte, seit 1971 die Wechselkurse der europäischen Währungen zum US-Dollar frei schwanken durften. Aber bald liefen die Geschäfte auf der "Raumstation Orion", wie der Devisenhandelsraum bei Herstatt intern genannt wurde, aus dem Ruder. Auch weil Herstatts Handelschef Dany Dattel lange seine Verluste durch Tricksereien vertuschte, war Herstatt so gut wie am Ende, als alles aufflog. Am 10. Juni 1974 war dem Bankier klar: Seinem Institut droht ein Verlust von fast einer halben Milliarde D-Mark. Hektische Verhandlungen mit Deutscher Bank, Dresdner Bank und Commerzbank schlugen fehl, weil die Institute für ein Engagement Sicherheiten von Herstatts prominentem Finanzier Hans Gerling verlangen. Dem Kölner Versicherungsmogul gehörten 80 Prozent des Bankhauses. Gerling weigerte sich schließlich, und Herstatt war am Ende. 1987 wurde Herstatt wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Zocker Dattel kam aus gesundheitlichen Gründen ungeschoren davon. Ein Gutes hatte die Herstatt-Pleite: Als Lehre wurde der Einlagensicherungsfonds im deutschen Bankwesen erheblich erweitert.

1995: Die Barings Bank im Geldrausch: Die Barings Bank brach im Jahr 1995 zusammen, nachdem der Terminhändler Nick Leeson sich mit riskanten Börsengeschäften verspekuliert hatte. Nick Leeson begann bereits 1993 unerlaubt zu spekulieren, verbuchte jedoch alle Verluste auf einem geheimen Bankkonto. Dadurch entstand der Eindruck, er mache nur Gewinne. Am Ende türmten sich die Verluste auf fast 900 Millionen Pfund und die Barings Bank musste Insolvenz anmelden.

2008: Die Société Générale und Jerome Kerviel Die Société Générale entdeckte im Jahr 2008 ein ausgeklügeltes System fiktiver Transaktionen, das Trader Jerome Kerviel sich zur Tarnung seiner weitläufigen Betrugsaktivitäten (Nominalwert: 50 Milliarden Euro) aufgebaut hatte. Im Gegensatz zu den Richtern sah Jerome Kerviel sich selbst als Bauernopfer der Finanzbranche. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt und muss außerdem insgesamt 4,9 Milliarden Euro an seinen früheren Arbeitgeber zurückzahlen.

2011: Der Libor Skandal: Letztes Jahr verurteilte die EU-Kommission sechs Banken zu Strafzahlungen von insgesamt 1,7 Mrd. Euro. Neben der Deutschen Bank und der Royal Bank of Scotland wurden außerdem noch vier weitere Großbanken beschuldigt, den Libor, ein täglich festgelegter Referenzzinssatz im Interbankengeschäft, manipuliert zu haben. Der Libor bestimmt über eine große Anzahl von Finanzmarktgeschäften – von kleinen Konsumentenkrediten bis zu Derivaten im Milliardenbereich. Den finanziellen Schaden, der in Teilen der Weltwirtschaft durch die Libor-Manipulationen entstanden ist, schätzen Analysten zu diesem Zeitpunkt auf 17,1 Milliarden Dollar.

2011: MF Global, eines der ehemals größten globalen Finanzunternehmen, meldete im November 2011 Insolvenz an, nachdem es sich mit europäischen Staatsanleihen verspekuliert und dabei 700 Millionen US-Dollar an Kundengeldern veruntreut hatte. Anleger wollen nun den Chef des Unternehmens, Jon Corzine, wegen Täuschung der Investoren verklagen.

2012: HSBC Geldwäsche Skandal: Die britisches HSBC Bank musste 2012 eine Rekordstrafe von 1,9 Milliarden Dollar zahlen, nachdem bekannt wurde, dass das Institut jahrelang mexikanischen Drogenkartellen und iranischen Terroristen bei der Geldwäsche geholfen hatte.

2013: Die Bank of America und ihre verfaulten Kredite: Auch die Bank of America hat sich einen Namen als eine der korruptesten Banken der Welt gemacht. Im Januar 2013 stimmte sie einem Vergleich von über 11 Milliarden US-Dollar mit der staatlichen Hypothekenbank Fanny Mae zu. Kurz vor der großen Rezession in 2008 hatte die Bank of America Fanny Mae wissentlich faule Kreditpakete verkauft.

2013: David gegen Goliath: Wie die Banken den Menschen ihre Häuser nahmen: JPMorgan Chase, die Bank of America, Wells Fargo und einige andere große Banken stimmten 2013 einem Vergleich in Höhe von 8,5 Milliarden Dollar zu, da sie unrechtmäßig Häuser gepfändet und Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben hatten. Oft nutzten sie dabei private Dienstleister, deren (schlecht ausgebildete) Mitarbeiter eigenhändig Schlösser austauschten und Eigentum stahlen.